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2016: Der Diener zweier Herren

Komm ein bisschen mit nach Italien...

Fröhlich und bunt war es in dieser Inszenierung des Dramatischen Hoftheaters. Es weht ein laues Lüftchen, das an das Sehnsuchtsland der Deutschen schlechthin erinnert – oder zumindest an das, was man sich in der Wirtschaftswunderzeit unter Italien so vorstellte: Sonne, Sorglosigkeit und eine bunte Mischung lebhafter Menschen, die zumeist nichts anderes im Sinne haben als dolce vita und amore. Peter Alexander, Vico Torriani und Caterina Valente lassen grüßen.

Aber nicht nur die Fünfziger Jahre haben sich in dieser Hinsicht einer Reihe liebenswürdiger Klischees bedient, auch die berühmte italienische Bühnenkunstform der commedia dell’arte gründet ihren bis heute ungebrochenen Erfolg auf der Typisierung bestimmter Figuren und Denkweisen. Possen a la Heinz Erhardt und Stegreif standen für die großen Mimen dieser Kunstform auf der Tagesordnung.
Deshalb liegt es nahe, dass das Dramatische Hoftheater den berühmtesten Vertreter der commedia, Carlo Goldoni, mit seinem erfolgreichsten Stück „Diener zweier Herren“ in einer eigenen Interpretation auf die Bühne bringt, um die Handlung kurzerhand in das Venedig der Fünfziger Jahre zu versetzen, als die meisten Deutschen nur durch bunte Kinoseifenblasen vom Land, in dem die Zitronen blühen, träumen konnten.
Die Handlung ist trotz zahlreicher Verwirrungen und Verwicklungen schnell erzählt und der versöhnliche Schluss ist charakteristisch für Goldonis stets menschenfreundliche Lösung der Dinge.
Der bauernschlaue Truffaldino (Guntram Raquet) träumt vom ganz großen Glück: Liebe, Essen und Trinken im Überfluss und das alles mit möglichst wenig Anstrengung.
Er steht in Diensten von Beatrice (Christina Jakobs), einer Dame in Männerkleidern, die nach Venedig gereist ist, um ihren geliebten Florindo (Markus Mohr) aufzuspüren, der unschuldig verdächtigt wird, ihren Bruder ermordet zu haben. Gleichzeitig will sie als ihr toter Bruder verkleidet bei dem etwas knauserigen Kaufmann Pandolfo (Wolfgang Braunstein) alte Schulden eintreiben. Zu allem Überfluss wird dessen schöne Tochter Rosaura (Mara Braunstein) in die Sache hineingezogen, da sie eigentlich Beatrices Bruder versprochen war, aber nun nach dem Tod des unbekannten Verlobten ihren verschrobenen Studenten Silvio (Lukas Müller) heiraten möchte...
Diener Truffaldino interessieren derweil solche komplizierten Entwicklungen herzlich wenig. Er bandelt mit Rosauras Zofe Blandina (Debora Thomas-Chmielus) an und wird ansonsten von nur einem Gedanken geplagt – wie man seinen knurrenden Magen stillen kann.
Deshalb nimmt er ohne groß nachzudenken zeitgleich eine Stelle bei einem zweiten Herren an, der sich –wie könnte es anders sein – als der gesuchte Florindo entpuppt und ebenfalls wie Beatrice in der Locanda des gewitzten und geschäftstüchtigen Tebaldo (Alfred Stengel) abgestiegen ist.
Während nun Truffaldino in den haarsträubensten komischen Situationen verzweifelt versucht, seine Doppelgleisigkeit zu vertuschen, gerät er immer weiter in den Strudel seiner eigenen Schwindeleien...
Der tolpatschige Truffaldino ist noch heute eine Paraderolle für einen schlagfertigen und clownesken Schauspieler, dem es mit Charme und Witz gelingt, das Publikum für seinen Auftritt in mediterranem Flair in seinen Bann zu ziehen.

Besetzung:
Pandolfo, ein Kaufmann: Wolfgang Braunstein

Rosaura, seine Tochter: Mara Braunstein

Silvio, ihr Verlobter: Lucas Müller

Beatrice, unter dem Namen Federigo Rasponi: Christina Jakobs

Florindo Aretusi: Markus Mohr

Tebaldo, Wirt: Alfred Stengel

Blandina, Rosaurens Mädchen: Debbie Thomas-Chmielus

Truffaldino, ein Bedienter: Guntram Raquet